An einen Jugendfreund
Die Menschen leben einsam, — gleich Gestirnen, Die durch den ewigen Raum des Weltalls schweifen Und nie sich treffen auf der weiten Bahn.
Drum laß uns diesen schönen Abend preisen, Geliebter Freund, da uns die gleiche Lampe In deinem lieben Hause nah vereint!
Wie rasch ist unsre Jugend hingeschwunden! Das graue, dünne Haar an unsern Schläfen Zeigt schon das Nahen später Tage an.
Die meisten der Gefährten unsrer Jugend Sind schon im Jenseits. Ich bin tief erschüttert, Da ich dich wiederseh, — mein Herz klopft laut.
Wer hätte je geglaubt, daß ich einmal Nach zwanzig Jahren allzu langer Trennung In deinem fernen Haus erscheinen würde!
Als wir uns damals trennten, wärest du Noch unvermählt, — jetzt springen hübsche Mädchen Und flinke Knaben blühend um dich her.
Sie grüßen ihres Vaters alten Freund Mit Herzlichkeit und Anmut und erfragen, Aus welchem Land der späte Wandrer kommt.
Und während Frag und Antwort hurtig wechseln, Bringen sie Wein herbei, und trotz des Abends Pflücken sie noch im Garten Frucht und Kraut.
Reis wird gekocht und schöne gelbe Hirse, Und immer wieder lacht mein Freund, vor Freude, So unerwartet mich als Gast zu sehn.
Wir trinken Glas um Glas, doch bleiben wir Herr unsrer Sinne; wir sind tief bewegt, Daß unsre Freundschaft so lebendig blieb.
O wehe! morgen werden wieder Berge Mit wolkigen Gipfeln unsre Tage trennen, Und wieder wird die Zukunft vor uns liegen Gleich einem Meere grau und uferlos.